Immer wieder stehen Schulfahrten mit dem Frisbeeteam an und es sind immer irgendwelche relativ langen Reisen mit dem Zug. Die Spieler kommen immer nach einem langen Wochenende nachhause und müssen meistens am nächsten Tag wieder in die Schule.
Tatsächlich haben die Lufos in den letzten Jahren beachtliche Strecken zurückgelegt, um Turniere spielen zu können. Dazu gehört zum Beispiel auch ein Besuch in Gent, Belgien beim World Summit, bei dem die Spieler sogar die Möglichkeit bekamen, gegen das japanische Nationalteam zu spielen. Aber wozu opfern sie immer wieder Wochenenden während der Schulzeit, nur um sich kaum zu erholen? Warum sitzen sie immer wieder Stunden lang im Zug herum, nur um am nächsten Tag übermüdet im Unterricht zu sitzen?

Das liegt daran, dass Frisbee ein Sport ist, der sich noch in seiner Entwicklungsphase befindet, wodurch es für Athleten viel mehr Möglichkeiten gibt, für den Sport zu reisen. Und vor allem für Jugendspieler ist das etwas ganz Besonderes. Überall, wo wir hingekommen sind, gibt es kleine Teams und Zellen aus Frisbeespielern. Überall, wo wir hingereist sind, haben wir in ihnen neue Freunde gefunden. Aus vielen dieser neuen Freunde sind mittlerweile alte geworden und wir freuen uns immer, sie auf einem der Turniere wieder zu sehen.
Die engsten Verbindungen bildet man aber meistens im eigenen Team, durch die Zeit, die man miteinander verbringt und die Arbeit, die man die man in Richtung eines gemeinsamen Ziels richtet.
Für mehr und mehr Lufos ist das aber nicht nur ein Team. Manche spielen noch in anderen Vereinen, um sich zu verbessern, andere können durch Altersbeschränkungen nicht mehr auf Turnieren für unser Schulteam spielen. Und immer mehr von diesen können sagen, dass sie Teil vom deutschen Nationalteam sind oder waren.
Jedes Jahr um den Oktober herum reist eine Abordnung Lufos auf das erste Sichtungstrainingslager der U17 Nationalmannschaft und obwohl nicht alle in die folgenden Auswahltrainingslager eingeladen werden, lernen immer alle davon, ein Wochenende lang mit Jugendlichen aus ganz Deutschland auf hohem Niveau zu trainieren. Für die wenigen, die dann weiterkommen, werden es einige anstrengende Monate bis zum nächsten Trainingslager im Frühjahr, denn jeder muss seine körperliche Fitness steigern und seine spielerischen Fähigkeiten verbessern, wenn er nicht vom Rest abgehängt werden will.
Alle, die am Ende in den finalen Kader aufgenommen werden, müssen sich auf die monatlichen Trainingslager und das harte Training außerhalb gefasst machen. Obwohl das erstmal abschreckend klingt, ist es doch eine besondere Erfahrung auf so einem hohen Niveau zu spielen. Alle im Team haben dieselbe Leidenschaft und es entsteht eine spezielle Verbindung zwischen den Spielern, die alle lange Anreisewege und Wochenenden vor Schulaufgaben für diese Mannschaft opfern.
Letztes Jahr wurde dann die Europäische Meisterschaft im bereits bekannten Gent ausgespielt. Und auch die Lufos waren in Frauen- und Open-Division vertreten. Die Arbeit des Openteams machte sich belohnt und sie gewannen die Goldmedaille. Trotzdem war das nicht der größte Gewinn des Turniers. Vielmehr war es die neuen Freunde, die sie machten oder die alten die sie aus gemeinsamen Trainingslagern wieder trafen.
Obwohl zwischen den meisten von ihnen eine Sprachbarriere besteht, fanden sie doch eine Verbindung im Sport. Es war kein entweder-oder zwischen einer kompetitiven Meisterschaft oder Freundschaft und dieses Verhalten ist eines, das beim Frisbee besonders hervorgehoben wird. Die Qualitäten, die diesen Sport so einzigartig machen führen, wie die Praxis zeigt, oft zu einer freundschaftlichen Atmosphäre neben dem Spielfeld. Das ist nicht nur so zwischen Nationalteams. Man kann diesen Teamgeist und diese Freundschaft zwischen Teams überall auf der Welt spüren.
Selbst in Neuseeland, exakt auf der anderen Seite des Planeten, gibt es diese Verbindung. Egal ob auf nationaler oder internationaler Ebene findet sich etwas, das Frisbeespieler den Spirit of the game nennen. Es ist ein ansteckendes Gefühl, von dem die meisten erzählen können, die schon mal auf einem Turnier waren.
Durch das Spielen auf internationaler Ebene kann man Freunde rund um den Globus finden. Man wird Teil eines besonders engagierten Teams und alle, die diese Erfahrung machen durften, sind heute deutlich selbstständiger und haben gelernt, auf eigene Faust zu reisen, zu packen und sich mit Leuten mit ganz anderen Sprachen und Kulturen zu verständigen. Es ist eine wunderbare Erfahrung, für alle, die jemals die Chance haben, ihren Sport mit ganz neuen Leuten zu spielen, und wiegt die Mühen wieder auf.
Bruno Roeder (Lufosspieler, Spieler im Schulteam des Avondale Colleges Auckland Neuseeland, ehem. U17 Nationalspieler & Europameister 2024)